Interview Anne Sauer

Fechterin Anne Sauer schwingt häufiger das Florett als den Kochlöffel, denn für intensive Küchen-Einheiten fehlt ihr meistens die Zeit. Für Wettkämpfe und Trainingslager bereitet sie oft Mahlzeiten vor und nimmt sie mit. Welches Gericht sie auf Trainingslager begleitet und was ihr Powerfrühstück vor einem Wettkampf ist, erzählt sie im Interview.

Im Interview: Auf einen S(ch)nack mit Anne Sauer

Wie bist du zu deinem Sport gekommen?

Ich war schon als Kind sehr aktiv und wusste nie so richtig wohin mit meiner ganzen Energie. Als meine Eltern einen Zeitungsartikel übers Fechten gelesen haben und ich im Schnuppertraining zum ersten Mal ein Florett in der Hand hatte, war's um mich geschehen. Seit meinem zehnten Lebensjahr war ich so gut wie jeden Tag im Training.

Wie ernährst du dich, um fit zu bleiben und welchen Stellenwert hat Ernährung für dich privat und im Sport?

Aufgrund meiner Zugehörigkeit zur Sportfördergruppe der Bundeswehr kann ich meinen Sport, als meinen Beruf bezeichnen. Daher würde ich keine Unterscheidung zwischen privat und beruflich machen, da sich mein privates Verhalten direkt auf meine sportliche Leistung auswirkt. Gerade deswegen spielt Ernährung eine sehr große Rolle für mein Leben. Sie beeinflusst die Regeneration, die Fitness und eben das eigene Wohlbefinden maßgeblich. Nur wenn das alles ineinandergreift, kann man jeden Tag aufs Neue, alles geben.

Hast du einen Ernährungsplan und musst ganz genau darauf achten, was du isst?

Da Fechten glücklicherweise nicht in Gewichtsklassen eingeteilt ist, müssen wir nicht ganz penibel darauf achten, was wir essen oder ob wir 500 g zunehmen. Deshalb habe ich keinen detaillierten Ernährungsplan. Allerdings arbeite ich mit einer Ernährungsberaterin zusammen, um auch hier weiter Verbesserungen zu erzielen. Zudem lerne ich bei meiner Ausbildung zum Personal Trainer sehr viel über Ernährung.

Achtest du bei der Zusammenstellung deiner Gerichte auf den Anteil von Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten zueinander? Wenn ja, worauf achtest du?

Ich achte darauf, dass ich zu jeder Mahlzeit alle Makronährstoffe – Kohlenhydrate, Proteine und Fette – ausreichend zuführe. Vor allem Kohlenhydrate spielen eine wichtige Rolle. Durch den hohen Kalorienverbrauch beim Fechten ist es sehr wichtig, die Muskeln durch die Zufuhr von Kohlenhydraten und Proteinen zu schützen und Muskelabbau zu verhindern. Hinzu kommt, dass Kohlenhydrate und Proteine auch bei der Regeneration eine wichtige Rolle spielen. Deshalb achte ich vor allem auf diese beiden Komponenten. Kohlenhydrate machen bei meinen Mahlzeiten einen Anteil von circa 50-60% aus, Proteine ungefähr 20-25% und Fette somit einen Anteil von 20-30%.

Kochst du gerne und bleibt dir unter der Woche ausreichend Zeit zum Kochen?

Grundsätzlich koche ich nicht so gerne, vor allem weil mir zwischen und nach den Trainingseinheiten nicht sehr viel Zeit bleibt. Aber mir ist es sehr wichtig, meinen Körper mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen.

Was ist dein persönlicher Rezept-Tipp, wenn es schnell gehen muss?

Mein absolutes Lieblingsessen ist Lachs mit Ofengemüse. Einfach ein Stück Lachs mit zwei bis drei klein geschnittenen Gemüsesorten und halbierten kleinen Kartoffeln auf ein Backblech legen. Olivenöl darübergeben, Rosmarin auf die Kartoffeln legen, alles würzen und ab in den Ofen.

Bist du eine „Meal Prepperin“ und bereitest deine Mahlzeiten für unterwegs vor? Wenn ja, was sind deine Lieblingsrezepte?

Ich bereite ab und an meine Mahlzeiten für den Trainingsalltag vor. Häufiger nutze ich Meal Prepping für Wettkämpfe und Trainingslager besonders für Reise- und Wettkampftage. Gerade bei Wettkämpfen ist es mir wichtig, nicht auf die Bedingungen vor Ort angewiesen zu sein, denn die sind oft der pure Horror. ;) Für Wettkämpfe mache ich oft das gleiche Rezept, da ich daran gewöhnt bin und mir sicher sein kann, dass mein Körper damit keine Probleme hat. Das ist Reis mit Brokkoli. Wenn es die Entfernung des Wettkampfes zulässt, mache ich dazu noch gedämpftes Hähnchenfleisch.

Was darf vor einem Wettkampf bei dir nicht fehlen? Welche Lebensmittel geben dir genügend Power, um alles zu geben?

Ich habe IMMER, IMMER selbstgemachtes Granola und Kokosjoghurt dabei. Das Granola besteht aus feinen Haferflocken, Mandeln, Sonnenblumenkernen, gepuffte Quinoa und Ahornsirup. Kokosjoghurt ist ein richtiger Geheimtipp. Denn der muss nicht gekühlt werden und ich kann ihn auf jede Reise mitnehmen. Für mich gilt: Wenn das Frühstück stimmt, dann kann der Tag nur gut werden. ;)

Ansonsten dürfen an einem Wettkampftag Bananen nicht fehlen. Die machen zum einen satt und haben einen relativ hohen Anteil an Magnesium und Kalium (schützen also meine Muskeln vor Krämpfen). Zum anderen gibt es sie eigentlich überall auf der Welt zu kaufen. Fun-Fact: Ich kann keine Bananen außerhalb von Wettkämpfen mehr essen, da an einem langen Wettkampftag auch schon mal fünf bis sechs Bananen dran glauben müssen. ;)

Bei aller Disziplin: Bei welcher Schlickerei wirst Du schwach?

Ein gutes Stückchen Schokolade zu einer Tasse Kaffee muss ab und zu schon einmal sein. :)

Welcher Power-Snack gibt dir besonders viel Energy?

Mein Lieblings-Power-Snack ist reine Buttermilch und dazu eine Hand gemischte Nüsse mit roten Trockenfrüchten, zum Beispiel Cranberrys oder Rosinen.

Was ist dein Motivator für das harte Training?

Für mich ist vor allem das gute Gefühl nach dem Training eine sehr große Motivation. Die Erschöpfung und gleichzeitig die Freude über das erledigte Training geben einem sehr viel Energie und Motivation. Der Blick auf den großen Traum und die Ziele, die man hat, sind aber natürlich auch ausschlaggebend dafür, dass man jeden Tag aufs Neue mit 110% ins Training geht und versucht sich dort immer weiter zu verbessern.

Anne Sauer

Disziplin: Fechten

Größte Erfolge:

  • EM-Bronze 2017

  • mehrfache Deutsche Meisterin

Instagram: @annesauer91