Interview Achim Sam: Nüsse

Walnüsse, Mandeln, Maronen und Co. dürfen in der Weihnachtszeit nicht fehlen. Aber Nuss ist nicht gleich Nuss. Ernährungsexperte Achim Sam spricht im Interview über die Superkräfte von Nüssen und welche positiven Effekte sie auf unseren Körper haben.

Ernährungsexperte Achim Sam erzählt über die Relevanz von Vitaminen für den menschlichen Körper.

Achim, welche Lebensmittel gehören zur Gruppe der Nüsse?

Nuss ist nicht gleich Nuss. Unter dem Sammelbegriff „Nüsse" werden im Allgemeinen Früchte, die sich sehr ähnlich sind, verstanden. Aus botanischer Sicht haben die Pflanzen aber eigentlich fast gar nichts miteinander gemein. Aus Sicht der Botaniker ist die Paranuss keine Nuss, sondern eine Art Samen. Auch die Erdnuss ist keine Nuss, sondern eine Hülsenfrucht. Cashews, Pistazien, Mandeln, Pekannüsse und Kokosnüsse gehören ebenfalls nicht zu den Nüssen, sondern zu den Steinfrüchten.

Zu den echten Nüssen gehören nur Walnüsse, Haselnüsse, Macadamianüsse und Maronen. Das liegt daran, weil sie die Definition von Nüssen erfüllen. Denn bei ihnen liegen um den Kern drei verholzte Schichten. Man könnte also sagen: Harte Schale, wohlschmeckender Kern.

Es heißt ja, dass Nüsse super gesund sind. Gibt es hier Unterschiede zwischen den Nüssen?

Grundsätzlich spielen Nüsse in unserer Ernährungshistorie eine wichtige und entscheidende Rolle. Möchtegern-Nuss hin oder her, denn Nüsse hatten zumindest für unsere Vorfahren überlebenswichtige Vorteile. Sie lassen sich leicht sammeln und es ist keine Weiterverarbeitung nötig, um sie haltbar zu machen. Die Nuss hat quasi schon einen natürlichen Schutzmantel oder einen Nährstoff-Tresor. Die Nuss ist ein ideales To-Go-Futter, also der perfekte Snack für alle Jäger und Nomadenvölker. Daher waren Nüsse für unsere Vorfahren ein wichtiges Grundnahrungsmittel.

Studentenfutter ist bekanntlich gut fürs Lernen. Aber hat die Nuss-Frucht-Mischung wirklich einen positiven Einfluss auf unsere Gedächtnisleistung?

Fakt ist, dass Studentenfutter für die Gedächtnisleistung auf jeden Fall besser ist als klassischer Traubenzucker. Es ist nämlich so, dass die Leistungsfähigkeit des Gehirns unmittelbar mit dem Blutzuckerspiegel zusammenhängt. Also ohne Zucker oder ohne Glukose kann unser Gehirn nicht arbeiten. Dieser Zucker steckt im Traubenzucker oder in den Rosinen des Studentenfutters. Wenn ich aber Traubenzucker isoliert esse, dann sorgt diese Zuckerwelle kurzfristig für einen Blutzuckeranstieg, der rasch wieder abstürzt. Die Folge ist ein Leistungsloch, Unkonzentriertheit oder Müdigkeit.

Wenn ich jetzt aber Studentenfutter esse, gleicht der Gehalt an gesunden Fetten und Fettsäuren die Anflutung der Glukose aus. Der Absturz wird verlangsamt. Der Blutzucker steigt langsam an, bleibt stabil und stürzt nicht so Niagarafall-ähnlich ab. Man bleibt also länger konzentriert und auch leistungsfähiger.

Damit unser Gehirn die Glukose überhaupt als Energiequelle nutzen kann, braucht es bestimmte Steuer- und Reglerstoffe. Die stecken reichlich in Nüssen wie Magnesium, Vitamin B2 sowie B6, Kalzium und Tryptophan.

Studentenfutter in rauen Mengen ist trotz der gesunden Inhaltstoffe nicht zu empfehlen. 30 g oder eine kleine Handvoll ist ideal und gesund. Nüsse machen aber aufgrund der gesunden Fettsäuren und dem hohen Ballaststoffgehalt auch schnell satt. Bei Studentenfutter hast du auch wieder Zucker dabei, das macht wiederum hungrig. Die puren Nüsse enthalten außerdem Omega-3-Fettsäuren, welche einen positiven Einfluss auf die Insulin-Ausschüttung haben. Isst du die guten Fette, braucht dein Körper weniger Insulin und umso weniger Insulin du brauchst, desto höher ist die Fettverbrennung.

Man traut sich kaum auf die Rückseite von Nuss-Verpackung zu schauen aufgrund des hohen Kaloriengehalts. Gibt es hier große Unterschiede zwischen den Nüssen?

Ich habe mal ein Nuss-Kalorien-Ranking gemacht: Auf Platz eins landet mit satten 703 kcal pro 100 g die Pekannuss, dicht gefolgt von der Macadamianuss. Anschließend kommen Paranüsse mit 673 kcal. Auf Platz vier landen Walnüsse. Auf Platz fünf Haselnüsse mit 647 kcal und dann kommen Pistazien. Danach folgen Kokosraspel und auf Platz acht mit 577 kcal sind Mandeln. Auf Platz 9 befinden sich Maronen mit 196 kcal, also wesentlich weniger Kalorien als die Spitzenreiter. Auf Platz zehn ist die frische Kokosnuss.

Haben Nüsse neben der positiven Auswirkung auf die Gedächtnisleistung noch weitere Vorteile?

Alle Nüsse und auch ihre die Pseudo-Verwandten sind sehr gesund. Denn Nüsse haben einen hohen Anteil an gesunden und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die wichtig sind. Der Körper kann sie selbst nicht synthetisieren. Deshalb müssen wir sie mit der Nahrung aufnehmen.

Nüsse enthalten Vitamine wie B1, B2, B6 und Vitamin E und A, außerdem Mineralstoffe wie Magnesium, Kalium, Kalzium, Phosphor, Eisen. Zusätzlich enthalten sie Antioxydanzien und Aminosäuren wie Tryptophan. So können Nüsse vor kardiovaskulären Krankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall schützen. Zusätzlich wird auch das Risiko von Diabetes Typ 2 reduziert und auf viele verschiedene Krebsarten kann es eine positive Wirkung haben.

Ernährungswissenschaftler Achim Sam

Achim Sam ist Diplom-Ernährungswissenschaftler, Bestsellerautor, TV-Ernährungs-Experte und Podcaster. Er ist fit in allen Themen rund um bewusste Ernährung, Lebensmittel, Food-Trends, Sport und kennt Gewichtsschwankungen nur allzu gut. Darüber hinaus war er selbst jahrelang als Leistungssportler aktiv. Als Radsportler ist er sogar für die Deutsche Nationalmannschaft gefahren. In den Team D Foodnews sprechen wir mit Achim exklusiv für Team D über verschiedene Ernährungsthemen - immer mit Sportbezug und ganz ohne erhobenen Zeigefinger.

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Die Interview-Reihe mit unseren Ernährungsexpert:innen soll dir einen Überblick zu den verschiedenen Themen geben, erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Weiterführende Informationen und Detail-Informationen findest du u.a. auf edeka.de. Bei Fragen zu deiner Ernährung kannst du dich auch an die Ernährungsberater:innen an den Olympiastützpunkten wenden. Die Expert:innen helfen dir gerne weiter.