Interview Achim Sam: Getreide
Getreide steckt in vielen Lebensmitteln, z.B. in Brot, Pizza und Nudeln. Die Getreide-Sorten sind dabei so unterschiedlich wie die Lebensmittel, zu denen sie verarbeitet werden. Ernährungsexperte Achim Sam erklärt die Unterschiede und gibt Tipps für den eigenen Speiseplan.
Ernährungsexperte Achim Sam erzählt über die Relevanz von Vitaminen für den menschlichen Körper.
Das Angebot an glutenfreien Lebensmitteln, Bäckereien und Pizzarien nimmt stetig zu. Ist eine glutenfreie Ernährung wirklich gesünder oder ist es nur ein Foodtrend?
Der Trend geht auf jeden Fall zu Produkten aus Urgetreiden. Sogenannte echte Urgetreide wie Dinkel, Emmer, Einkorn oder Kamut sind weizenfrei, aber nicht glutenfrei. Hier gibt es einen Unterschied.
Nur etwa 1-2 % der Menschen haben eine Glutenunverträglichkeit, auch Zöliaki genannt, und müssen deshalb zwingend auf Gluten verzichten. Trotzdem werben viele Bäcker aktuell mit speziellen Urkornbroten mit Emmer oder ähnlichem. Das Problem hierbei ist, dass die meisten Urgetreidesorten sich nicht gut zum Backen eignen und das Brot nur sehr selten zu 100% aus Emmer besteht. Bei den meisten Teigen wird moderner Dinkel und Gluten aus Brotweizen zum Backen verwendet. Das ist eigentlich eine Verbrauchertäuschung. Viele Bäcker loben auch bei Dinkelbroten „weizenfrei“ aus, obwohl auch Dinkel eine Weizenart ist.
Das musst du nochmal genauer erklären: Was ist denn jetzt besser? Urgetreide oder Weizen?
Weizen hat heutzutage einen schlechten Ruf. Es gilt als Dickmacher und besonders ungesund – das ist Quatsch. Die Frage müsste eigentlich lauten: Was ist verträglicher? Da gibt es erstmal keinen Unterschied, denn auch Urgetreide gehört zu den Weizensorten. Es enthält nur keine Brotweizen oder auch Weichweizen genannt. Auch Dinkel ist nicht gleich Dinkel. Heute ist er oft mit Brotweizen gekreuzt, lediglich Ur-Dinkel enthält kein Weichweizen.
Was kann man tun, wenn man auf Gluten verzichten will oder sogar verzichten muss?
Zunächst einmal: Locker bleiben! Wer eine echte Zöliaki hat, der muss glutenfrei essen. Das betrifft aber nur einen Bruchteil der Menschen und sollte immer von einem Arzt untersucht werden. Ebenfalls weniger Menschen als gedacht, haben eine Weizenallergie (0,5%) oder eine Weizenempfindlichkeit (7%). Bei allen anderen Menschen, die Weizen vermeiden, weil sie es nicht gut vertragen, sind meistens andere Inhaltsstoffe oder Nebenwirkungen das Problem, zum Beispiel Stoffe wie Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATIs) und Fodmaps (schwer verdauliche Kohlenhydrate). Die stecken übrigens auch in Obst und Gemüse – Fruktose ist zum Beispiel auch ein Fodmap.
Warum greifen immer mehr Menschen auf glutenfreie Produkte zurück?
Glutenfreie Produkte basierend auf Reis oder Mais haben weniger Fodmaps, also weniger von den schwerverdaulichen Kohlenhydraten. Deshalb vertragen viele Menschen glutenfreie Produkte auch wirklich besser. Hier gibt es aber ein anderes Problem: Reis ist stark Arsen belastet. Es besteht daher die Gefahr, wenn man sich glutenfrei ernährt, obwohl man es ggf. gar nicht braucht, dass durch die einseitige Ernährung auf Dauer eine erhöhte Arsenbelastung auftritt.
Wenn ich nicht auf Gluten verzichten muss, darf es dann auch ein gutes Weizenbrot oder -brötchen sein?
Hier gilt: Ein gut gemachtes Weizenbrötchen ist genauso gesund bzw. verträglich wie eins aus anderen Getreidesorten. Eines sollte man jedoch beachten: Je länger man den Teig gehen lässt, umso geringer sind auch die Fodmaps. Durch den enzymatischen Prozess beim Gehen bauen die Bakterien die Fodmaps ab und das Brot wird dadurch bekömmlicher.
Ernährungswissenschaftler Achim Sam
Achim Sam ist Diplom-Ernährungswissenschaftler, Bestsellerautor, TV-Ernährungs-Experte und Podcaster. Er ist fit in allen Themen rund um bewusste Ernährung, Lebensmittel, Food-Trends, Sport und kennt Gewichtsschwankungen nur allzu gut. Darüber hinaus war er selbst jahrelang als Leistungssportler aktiv. Als Radsportler ist er sogar für die Deutsche Nationalmannschaft gefahren. In den #reifeleistung-News sprechen wir mit Achim exklusiv für Team D über verschiedene Ernährungsthemen - immer mit Sportbezug und ganz ohne erhobenen Zeigefinger.
ISS SO - der Ernährungspodcast
Lust auf mehr Ernährungstipps und -tricks mit Achim? Dann bist du beim EDEKA Ernährungspodcast ISS SO genau richtig. Mit dabei ist Ernährungswissenschaftler Achim Sam. Sein Credo: Jeder so, wie es am besten passt und ohne Verbote, denn die bringen laut Achim gar nichts. Podcast-Partnerin Julia Rohrmoser hilft, die teilweise etwas schwierigeren Zusammenhänge in der Ernährungswissenschaft wirklich zu verstehen und stellt für dich deine Fragen an Achim. ISS SO der Ernährungspodcast mit Achim Sam ist wöchentlich für dich am Start und versorgt dich ausgewogen im alltäglichen Game of Foods.
Neugierig geworden? Den Podcast findest du auf Spotify, Deezer, Google Podcasts, Amazon Music und im iTunes Store.
Die Interview-Reihe mit unseren Ernährungsexpert:innen soll dir einen Überblick zu den verschiedenen Themen geben, erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Weiterführende Informationen und Detail-Informationen findest du u.a. auf edeka.de. Bei Fragen zu deiner Ernährung kannst du dich auch an die Ernährungsberater:innen an den Olympiastützpunkten wenden. Die Expert:innen helfen dir gerne weiter.