Interview Achim Sam: Vitamine
Wer kennt die Aussage nicht? „Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages!“. Stimmt das wirklich? Oder lässt sich auch gut darauf verzichten? Was, wie und wieviel man frühstücken sollte, weiß Ernährungsexperte Achim Sam.
Ernährungsexperte Achim Sam erzählt über die Relevanz von Vitaminen für den menschlichen Körper.
Achim mal Hand aufs Herz, wie du immer so schön sagst, bist du Team Frühstück oder bist du Team kein Frühstück?
Ich liebe Frühstück und am liebsten stundenlang, also so bis um zwölf nachts. Also ich kann da ewig sitzen bleiben, ich mag das. Auch im Urlaub gibt es für mich nichts Schöneres, als zu Frühstücken und sich dabei zu unterhalten und die Welt neu zu verteilen. Aber unter der Woche ist leider selten Zeit und immer ein bisschen hektisch.
Was sagst du dazu, dass Frühstück einfach mal komplett ausfallen zu lassen?
Also das kann man gar nicht so pauschal mit gut oder schlecht beantworten. Aus der Naturheilkunde kommt ja der Leitspruch „Du sollst frühstücken wie ein Kaiser, Mittagessen wie ein Edelmann und Abendessen wie ein Bettelmann“ – und begründet wird diese Aussage mit der sogenannten Organuhr. Also das heißt, dass man einen Biorhythmus hat und unsere Organe, wie beispielsweise die Bauchspeicheldrüse oder der Darm, die also an der Verdauung oder Stoffwechsel beteiligt sind, die sollen in den Morgenstunden am aktivsten sein, also am besten funktionieren und am besten arbeiten. Umso später der Abend ist, desto mehr sollen die Organe in einen Ruhemodus schalten. Unterm Strich heißt das, dass wir in den Morgenstunden die Nahrung am besten verarbeiten können. Also das ist zumindest die These, die dahintersteckt. Zu spätes Essen bringt demnach den Hormonhaushalt durcheinander. Es würden also wichtige Hormone nicht gebildet, wenn man zu spät abends isst. Deshalb kann man dieser Reihenfolge schon etwas abgewinnen. Laut Studie verlassen 30% der Deutschen das Haus, ohne etwas gegessen oder getrunken zu haben. In der Regel geschieht dies nicht, weil man das Frühstück nicht abkann, sondern aus Zeitmangel. Das ist nicht optimal und kann sogar zu Übergewicht führen. Wenn man also aus Zeitmangel nichts frühstückt, würde ich schon empfehlen, diese Mahlzeit in Zukunft einzuplanen.
Was sollten wir den am besten Frühstücken?
Wenn man jetzt mal mit einem gesunden Frühstück anfängt, dann sollte man sich erstmal ein bisschen Zeit dafür nehmen. 15-20 Minuten ist ein guter Richtwert, denn erst dann tritt dieses Sättigungsgefühl ein und ich schlinge nicht so das Essen runter. Optimal wären komplexe Kohlenhydrate – die sind für langanhaltende Energie einfach wichtig. Vollkornprodukte sind da super, Haferflocken sind immer eine gute Wahl. Außerdem sind gute Fette wichtig, am besten sind Omega-3-Fettsäuren, direkt aus Kaltwassersehfisch. So etwas wie Räucherlachs, kann man morgens schon mal gut essen. Omega-3-Fettsäuren sind Insulin-optimierend. Das heißt, wenn ich mich schon morgens mit Omega-3 versorge, brauche ich den Tag über nicht so viel Insulin und je weniger Insulin da ist, umso höher ist die Fettverbrennung und so weniger Heißhunger habe ich. Da kann man morgens schon den Körper auf Fettverbrennung trimmen. Der Körper braucht dann eben nicht so viel Insulin um die Energie in die Zelle zu ziehen. Komplexe Kohlenhydrate sind auch wichtig, sie liefern Energie und der Blutzucker bleibt stabiler und ich bleibe lange satt. Das fördert außerdem die Gedächtnisleistung, beziehungsweise die Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit.
Was eignet sich am besten zum Frühstück vor einer Sporteinheit?
Es ist wirklich sehr individuell. Mindestens eine Stunde vor der Sporteinheit sollte man Frühstücken, damit es nicht so schwer im Magen liegt. Dann sollte es eher ballaststoffarm sein – also jetzt nicht zu viele Vollkornprodukte, weil die natürlich ordentlich im Magen liegen. Für den Sport brauche ich schnell Energie, deshalb sollte man schon kohlenhydratreich essen aber eben nicht die absoluten Ballaststoff-Bomben zu sich nehmen. Wichtig ist außerdem, dass man ausreichend hydriert ist. Als Beispiel kann man eine Apfelsaftschorle trinken, mit dem Verhältnis 50/50. Ein Espresso gibt einen zusätzlichen Energieschub.
Was sagst du dazu, auf nüchternen Magen Sport treiben?
Also das muss man wirklich können, auf nüchternen Magen Sport zumachen. Nüchtern trainieren fördert zwar die Fettverbrennung – aber nur, weil keine anderen Energiequellen zur Verfügung stehen. Deshalb muss vermehrt auf die Fette zurückgegriffen werden und auf das Glucogen, also auf die Kohlenhydrate die im Muskel eingespeichert wurden. Sport und Bewegung bei leerem Magen sorgen letztlich lediglich dafür, dass der Fettstoffwechsel trainiert wird. Der Körper lernt, auf die eigenen Energiereserven zurückzugreifen, das macht ausdauernder und leistungsfähiger. Das heißt aber eben nicht, dass ich dadurch schneller oder besser abnehme, sondern es schult den Stoffwechsel.
Wenn ich ein wichtiges Meeting oder eine Prüfung gegen 11 Uhr habe, kann ich das mit einem guten Frühstück noch unterstützen?
Um möglichst gut drauf und vor allem wach zu sein, ist mein Tipp, Hafer gold/gelb anzurösten. Dadurch entsteht eine Aminosäure vermehrt, nämlich Tyrosin. Das wiederum ist eine Vorstufe unseres Aufwach-Amins, nämlich das Dopamin. Es hat Auswirkung auf die Wachsamkeit, das Konzentrationsvermögen, die Reaktionsfähigkeit, Stimmung usw. Es weckt dich auf und ist ein Gute-Laune-Frühstück!
Hast du Tipps für Menschen, die morgens wirklich nichts runterbekommen?
Den Menschen, die morgens wirklich nichts runterbekommen, weil sie einen anderen Biorhythmus haben oder vom Stoffwechsel anders aufgestellt sind, würde ich eine Trinkmahlzeit empfehlen. Ganz easy einfach einen Power-Smoothie mit zum Beispiel 250g gefrorenen Beeren, 2 Teelöffeln Leinsamen die vorher zermatscht werden, einer reifen Banane, Haferflocken und dann 250ml Flüssigkeit. Bei der Flüssigkeit kann man Milch, Milchersatz oder auch Magerquark nehmen. Diese ganzen Zutaten einfach in den Mixer geben und schon hat man eine super Power-Drink-Mahlzeit.
Ernährungswissenschaftler Achim Sam
Achim Sam ist Diplom-Ernährungswissenschaftler, Bestsellerautor, TV-Ernährungs-Experte und Podcaster. Er ist fit in allen Themen rund um bewusste Ernährung, Lebensmittel, Food-Trends, Sport und kennt Gewichtsschwankungen nur allzu gut. Darüber hinaus war er selbst jahrelang als Leistungssportler aktiv. Als Radsportler ist er sogar für die Deutsche Nationalmannschaft gefahren. In den Team D Foodnews sprechen wir mit Achim exklusiv für Team D über verschiedene Ernährungsthemen - immer mit Sportbezug und ganz ohne erhobenen Zeigefinger.
ISS SO - der Ernährungspodcast
Lust auf mehr Ernährungstipps und -tricks mit Achim? Dann bist du beim EDEKA Ernährungspodcast ISS SO genau richtig. Mit dabei ist Ernährungswissenschaftler Achim Sam. Sein Credo: Jeder so, wie es am besten passt und ohne Verbote, denn die bringen laut Achim gar nichts. Podcast-Partnerin Julia Rohrmoser hilft, die teilweise etwas schwierigeren Zusammenhänge in der Ernährungswissenschaft wirklich zu verstehen und stellt für dich deine Fragen an Achim. ISS SO der Ernährungspodcast mit Achim Sam ist wöchentlich für dich am Start und versorgt dich ausgewogen im alltäglichen Game of Foods.
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Die Interview-Reihe mit unseren Ernährungsexpert:innen soll dir einen Überblick zu den verschiedenen Themen geben, erhebt aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Weiterführende Informationen und Detail-Informationen findest du u.a. auf edeka.de. Bei Fragen zu deiner Ernährung kannst du dich auch an die Ernährungsberater:innen an den Olympiastützpunkten wenden. Die Expert:innen helfen dir gerne weiter.