Berufsbildung
Kostenlose Online-Info-Veranstaltungen: Azubis aus dem Ausland einstellen
Angespannte Personalsituation, fehlende Nachwuchskräfte - daher scheint die Azubi-Gewinnung im Ausland eine mögliche Option zu sein. Was es dabei zu beachten gilt, beleuchten wir in unseren kostenlosen Online-Veranstaltungen des EDEKA Campus.
Ausbildung: Handel setzt ein klares Zeichen
Die aktuellen August-Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen, dass sich die angespannte wirtschaftliche Lage zunehmend auf den Ausbildungsmarkt auswirkt. So ist die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen im Vergleich zum Vorjahr um 6,7 Prozent gesunken. Damit werden erneut Forderungen laut, die Wirtschaft müsse mehr Ausbildungsplätze bereitstellen und ansonsten eine Ausbildungsplatzabgabe zahlen.
Der Handel setzt hier jedoch ein klares Zeichen: Trotz herausfordernder Rahmenbedingungen hält die Branche an ihrem starken Ausbildungsengagement fest. Im Gegenteil, in den vergangenen Jahren wurde das Ausbildungsplatzangebot vielerorts sogar weiter ausgebaut. Gleichzeitig gehört der Handel zu den Branchen, in denen der Fachkräftemangel bereits heute deutlich spürbar ist und die Gewinnung qualifizierter Nachwuchskräfte eine zentrale Zukunftsaufgabe darstellt.
Um diese Botschaft sichtbar zu machen, hat der Handelsverband Deutschland (HDE) eine Positionierung zur aktuellen Ausbildungssituation veröffentlicht. Darin wird deutlich, dass der Handel weiterhin zu den wichtigsten Ausbildungsbranchen in Deutschland zählt und seiner Verantwortung bei der Fachkräftesicherung konsequent nachkommt.
Zum Ausbildungsstart 2026 veröffentlichte der HDE Ende August die Pressemeldung:
Ausbildungsstart 2026: Handel bleibt eine der wichtigsten Ausbildungsbranchen - kämpft aber weiter …
Auch in der aktuellen Folge der HDE-Podcastreihe „Handelszeit“ steht die Nachwuchssicherung im Mittelpunkt. Darin spricht Jens Kettler, Geschäftsführer der EDEKA Juniorengruppe e. V., Geschäftsbereichsleiter Personalentwicklung bei EDEKA und Vorsitzender des HDE-Bildungsausschusses, über die Bedeutung der Ausbildung im Handel, erfolgreiche Strategien zur Gewinnung junger Talente sowie die Veränderungen durch die Digitalisierung.
Podcast-Tipp: #014 – Nachwuchs sichern: Ausbildung im Handel mit Jens Kettler, EDEKA – Handelsverband Deutschland…
Jede:r Zehnte ohne Ausbildung oder Job
Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen eine Entwicklung, die auch für den Handel von großer Bedeutung ist: Im Jahr 2025 waren in Deutschland 10,0 Prozent der 20- bis 24-Jährigen weder in Ausbildung noch in Beschäftigung. Damit ist der Anteil der sogenannten „NEETs“ (Not in Employment, Education or Training) gegenüber 2022 mit damals 8,8 Prozent erneut gestiegen.
Positiv ist zwar, dass Deutschland im europäischen Vergleich weiterhin vergleichsweise gut dasteht. Mit einer NEET-Quote von 10,0 Prozent liegt Deutschland deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 12,9 Prozent. Dennoch darf die Entwicklung nicht unterschätzt werden. Hinter den Zahlen stehen junge Menschen, die dem Arbeitsmarkt und dem Bildungssystem zumindest zeitweise nicht zur Verfügung stehen und damit als potenzielle Fachkräfte verloren gehen.
Besonders bemerkenswert ist, dass junge Menschen in Deutschland häufiger in Großstädten (10,6 Prozent) als in ländlichen Regionen (7,9 Prozent) von dieser Situation betroffen sind. Zudem liegt der Anteil bei jungen Frauen mit 10,5 Prozent etwas höher als bei jungen Männern mit 9,6 Prozent.
Die Gründe dafür sind vielfältig: Ein Viertel der Betroffenen sucht aktiv nach Arbeit, viele andere stehen dem Arbeitsmarkt aufgrund von Betreuungspflichten oder gesundheitlichen Einschränkungen nicht zur Verfügung. Gleichzeitig wartet ein Teil der jungen Menschen auf einen Ausbildungs- oder Studienplatz und befindet sich damit in einer Übergangsphase.
Für den Handel und für EDEKA ist diese Entwicklung Chance und Herausforderung zugleich. Während viele Branchen den zunehmenden Fachkräftemangel bereits deutlich spüren, gibt es weiterhin eine relevante Gruppe junger Menschen, die noch nicht den Weg in Ausbildung oder Beschäftigung gefunden hat. Hier können unsere Kaufleute und Ausbilder einen wichtigen Beitrag leisten.
Was bedeutet das für EDEKA?
Die Zahlen unterstreichen, wie wichtig es ist, junge Menschen frühzeitig anzusprechen und ihnen attraktive Perspektiven aufzuzeigen. Gerade EDEKA bietet mit seiner regionalen Verwurzelung, den vielfältigen Berufsbildern und guten Entwicklungs- und Karrierechancen beste Voraussetzungen, um Jugendliche für eine Ausbildung zu gewinnen. Daher sollte die Berufsorientierung vor Ort noch stärker gefördert und frühzeitig der Kontakt zu Schulen gesucht werden. Dabei Praktika, Probearbeitstage und Ferienjobs nutzen und die vielfältigen Karrierewege im Handel und bei EDEKA noch sichtbarer kommunizieren, um Hemmschwellen beim Übergang von Schule ins Berufsleben abzubauen. Überdies sollten Jugendliche in den Blick genommen werden, die bislang keinen direkten Zugang zum Ausbildungsmarkt gefunden haben. Natürlich bringt dies die Herausforderung mit, dass flexible und individuelle Unterstützungsangebote während der Ausbildung geschaffen werden müssen, um genau dieser Zielgruppe eine erfolgreiche Ausbildung zu ermöglichen. Aber nur so kann diese große Anzahl an jungen Menschen, die dringend für die Fachkräftesicherung benötigt wird, wieder in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt integriert werden.
Die aktuellen Zahlen zeigen: Nachwuchssicherung bleibt eine zentrale Zukunftsaufgabe. Wer heute junge Menschen für den Handel begeistert, investiert in die Fachkräfte von morgen und damit in den langfristigen Erfolg des eigenen Standorts – auch wenn dies zunächst zusätzliches Engagement und Zeit erfordert.
Fachkräftesicherung: Berufsbildung als Lösung
Der deutsche Arbeitsmarkt steht vor einer langfristigen Herausforderung: Mit dem Renteneintritt der Babyboomer-Generation werden in den kommenden Jahren deutlich mehr Menschen aus dem Berufsleben ausscheiden als junge Arbeitskräfte nachrücken. Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass das Erwerbspersonenpotenzial bis 2036 um rund 4,3 Millionen Menschen sinken wird.
Für den Handel hat diese Entwicklung besondere Bedeutung. Viele erfahrene Mitarbeitende in Verkauf, Logistik und Verwaltung gehören den geburtenstarken Jahrgängen an und werden in den kommenden Jahren das Rentenalter erreichen. Gleichzeitig stehen immer weniger junge Menschen für eine Ausbildung oder den Berufseinstieg zur Verfügung.
Die Zahlen verdeutlichen die Dimension: Während jährlich rund 1,3 Millionen Menschen das Rentenalter erreichen, rücken nur etwa 800.000 junge Menschen neu in das Erwerbsleben nach. Dadurch verringert sich das verfügbare Arbeitskräftepotenzial Jahr für Jahr um etwa eine halbe Million Personen.
Für EDEKA-Kaufleute und Ausbilder:innen wird es daher immer wichtiger, frühzeitig in die Nachwuchssicherung zu investieren. Eine qualitativ hochwertige Ausbildung, attraktive Entwicklungsmöglichkeiten und eine langfristige Mitarbeiterbindung gewinnen weiter an Bedeutung. Gleichzeitig bieten sich Chancen, neue Zielgruppen für den Arbeitsmarkt zu erschließen – beispielsweise Quereinsteiger:innen, ältere Beschäftigte oder internationale Fachkräfte.
Der demografische Wandel ist längst Realität. Wer heute konsequent auf Ausbildung, Qualifizierung und eine attraktive Arbeitgeberpositionierung setzt, schafft die besten Voraussetzungen, um auch in Zukunft erfolgreich Fachkräfte zu gewinnen und zu halten.
Jugend blickt optimistisch in die Zukunft
Die junge Generation in Deutschland blickt deutlich positiver auf die Zukunft als viele ältere Menschen. Das zeigt eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung. Während in der Gesamtbevölkerung häufig Zukunftssorgen und Skepsis gegenüber politischen Entwicklungen vorherrschen, sehen junge Menschen die Chancen für Gesellschaft und Wirtschaft deutlich optimistischer.
Besonders bemerkenswert: Junge Erwachsene stehen hinter Demokratie, Nachhaltigkeit und dem Modell der Sozialen Marktwirtschaft. Sie wünschen sich politische und wirtschaftliche Entscheidungen, die stärker an den Bedürfnissen zukünftiger Generationen ausgerichtet sind. Gleichzeitig verbinden sie Leistungsbereitschaft mit Chancengerechtigkeit und Solidarität. Für die Mehrheit gehören persönlicher Einsatz und faire Entwicklungsmöglichkeiten untrennbar zusammen.
Auch für Unternehmen ergeben sich daraus wichtige Erkenntnisse. Die junge Generation möchte Verantwortung übernehmen, sich einbringen und einen sinnvollen Beitrag leisten. Nachhaltigkeit, Mitgestaltung und gesellschaftliche Verantwortung spielen bei der Berufs- und Arbeitgeberwahl eine immer größere Rolle. Junge Menschen gelten zudem als wichtige Treiber der Nachhaltigkeitstransformation in Wirtschaft und Gesellschaft.
Für Ausbilder:innen sowie Kaufleute bedeutet dies: Nachwuchskräfte wollen nicht nur fachlich lernen, sondern auch Orientierung, Beteiligungsmöglichkeiten und Entwicklungsperspektiven erhalten. Wer jungen Menschen Verantwortung überträgt, ihre Ideen ernst nimmt und die Bedeutung nachhaltigen Handelns sichtbar macht, stärkt Motivation, Bindung und Leistungsbereitschaft.
Gleichzeitig informiert sich die junge Generation zunehmend über soziale Medien wie Instagram, TikTok oder YouTube. Unternehmen und Ausbildungsbetriebe, die junge Menschen erreichen möchten, sollten deshalb authentische Kommunikationswege nutzen und den Dialog auf Augenhöhe suchen.
Fazit: Die Studien der Bertelsmann Stiftung zeichnen das Bild einer engagierten, zukunftsorientierten Generation. Junge Menschen wollen gestalten, Verantwortung übernehmen und aktiv an einer nachhaltigen Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft mitwirken. Für Ausbildung und Personalentwicklung bietet dies große Chancen, junge Talente frühzeitig einzubinden und ihre Potenziale gezielt zu fördern.