Mehr Mittelstand, bitte!
Im Interview fordert Uwe Kohler belastbare Rahmenbedingungen und politischen Rückenwind für mittelständische Betriebe ein, um die konjunkturelle Flaute hierzulande zu überwinden. Das genossenschaftliche Modell von EDEKA Südwest sieht er dabei als „richtungsweisend für den deutschen Lebensmitteleinzelhandel“. Und versteht die Rolle der selbständigen EDEKA-Kaufleute im Südwesten als Trendsetter und Mehrwertbringer.
„Die Dynamik unseres Verbunds ist deutlich sichtbar“
Herr Kohler, die Wirtschaftsleistung in Deutschland kam 2025 erneut nicht in Schwung. Die Entwicklung am Arbeitsmarkt löste zum Jahresende ebenfalls keine Begeisterungsstürme aus. Aus Ihrer Warte als Kuratoriumsvorsitzender und Kaufmann: Was muss passieren, damit sich die private Konsumlaune hierzulande nachhaltig aufhellt, damit der deutsche Mittelstand zusätzlichen Rückenwind erhält?
Klarheit fördert unternehmerischen Mut. Vonseiten der Bundesregierung braucht es deshalb gut abgestimmte inhaltliche Leitplanken. Mehr verlässliche Signale, damit sowohl die deutsche Wirtschaft im Allgemeinen und wir Mittelständler im Besonderen wieder mit begründetem Optimismus und mehr Zuversicht planen und investieren können. Berlin ist gut beraten, den konjunkturellen Aufschwung zur obersten Priorität zu machen. Durch Bürokratieabbau, aber auch anhand steuerlicher Entlastungen der Wirtschaft. Und das besonders für den Mittelstand, den Motor unseres Wohlstands. Wie wir als Unternehmen diesen fruchtbareren Spielraum nutzen, das wissen wir dann schon. Und ich bin fest überzeugt: Dann zöge bald auch der Arbeitsmarkt und damit der private Konsum wieder an.
Nun war EDEKA Südwest vergangenes Jahr, trotz einmal mehr herausfordernder Rahmenbedingungen, erfolgreich am Markt aktiv und hat im Groß- wie im Einzelhandel verschiedene Impulse gesetzt. Was zählt zu Ihren persönlichen Highlights?
Wir sind im Verbund einmal mehr stabil gewachsen. Die Menschen goutieren die Handelsleistung, die wir als EDEKA Südwest, die die EDEKA-Kaufleute im Südwesten vor Ort ihnen anbieten. Das stimmt mich froh und optimistisch. Der erfolgreiche PAYBACK-Launch ist ein Paradebeispiel dafür. Darüber hinaus expandieren wir in der Fläche weiterhin mit unterschiedlichen und auch jungen Vertriebsformaten. Ich denke beispielsweise an unseren Getränkespezialisten trinkgut. 2025 kamen allein hier 29 Standorte hinzu. Wir modernisieren zudem unser gesamtes Vertriebsnetz. Und wenn ich auf unseren Unternehmenssitz in Offenburg schaue, ist die Dynamik unseres Verbunds ebenfalls deutlich sichtbar. Da war zum einen die Eröffnung unseres Dienstleistungszentrums in Offenburg, mit Platz für 600 Mitarbeitende. Im Januar dieses Jahres ging in Offenburg zudem unser neues Tiefkühllager ans Netz. Das Projekt rund um das Tiefkühllager steht für eine Investitionssumme von 60 Millionen Euro. Allesamt richtig gute Meilensteine eines wirtschaftlich robusten Verbunds und eine top Teamleistung.
Also ist das genossenschaftliche Modell von EDEKA Südwest, getragen von mehr als selbständigen Kaufleuten, auch angesichts verschiedener innenpolitischer Turbulenzen und globaler geopolitischer Verwerfungen noch immer zeitgemäß …
Es ist mehr als das. Es ist richtungsweisend für den deutschen Lebensmitteleinzelhandel – und vielleicht sogar darüber hinaus. Wir handeln nach einem klaren Solidarprinzip. Wir lernen und wir gewinnen als Team. Hier im Südwesten, aber auch bundesweit. Das charakterisiert das Wesen unserer Gemeinschaft. Egal, ob Existenzgründer oder renommierter Familienbetrieb. Egal, welches Tochterunternehmen oder welche EDEKA-Region. Wir inspirieren einander. Und wir steigern so kontinuierlich unsere Leistungsstärke und Wettbewerbsfähigkeit auf allen Stufen. Zudem ist unsere genossenschaftliche Strategie, immer mehr Märkte in Unternehmerhände zu geben, alternativlos. Aktuell werden 1.123 Märkte unseres Geschäftsgebiets von selbstständigen EDEKA-Kaufleuten betrieben. Lediglich 45 Standorte laufen als so genannte Regie-Märkte des Großhandels – eine gute Ratio.
Das laufende Geschäftsjahr steht für Ihren Unternehmensverbund unter dem Motto „Mit den Trends durch das Jahr“. Wie lässt sich dieses Leitmotiv einordnen?
Wie gerade schon gesagt, unser genossenschaftliches Modell bleibt total trendy. Aber darüber hinaus interpretiere ich unser Jahresmotto nicht allein in dem Sinne, aktuelle Verbrauchertrends aufzugreifen. Unsere Leistung besteht darin, diese zu kultivieren, sie in bester EDEKA-Tradition weiterzuentwickeln, um sie vielleicht sogar langfristig zu etablieren. Zugleich geht es für mich auch darum, dass wir uns selbst als Trendsetter positionieren. Indem wir für unsere Kundschaft exklusive Mehrwerte schaffen. Als Verbund sind wir bereits in der privilegierten Position, dass viele EDEKA-Kaufleute uns dies regelmäßig vorleben.