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EDEKA und WWF: Süßwasserschutz mit Brief und Siegel

Süßwasser ist eine knappe Ressource und eines der Themenfelder der Partnerschaft für Nachhaltigkeit zwischen WWF und dem EDEKA-Verbund. Nun wurde eine Pilot-Finca in Andalusien, die EDEKA und Netto Marken-Discount Zitrusfrüchte aus nachhaltigerem konventionellen Anbau liefert, als erster Landwirtschaftsbetrieb in Europa erfolgreich AWS-zertifiziert. Die Finca erreichte dabei sogar Gold-Auszeichnung. Der Standard der Alliance for Water Stewardship (AWS) unterstützt Produzenten dabei, gemeinsam mit anderen Akteuren ein nachhaltigeres Wassermanagement im lokalen Flussgebiet umzusetzen. So sollen Wasserressourcen für Umwelt, Mensch und Wirtschaft langfristig gesichert werden.

23. August 2018 • Hamburg

Die lokale Wassersituation und der Umgang damit spielen bei den üblichen Produktsiegeln im Supermarkt eine untergeordnete Rolle – wie auch eine Studie von WWF und EDEKA dokumentiert . Doch ob ein Lebensmittel nachhaltiger ist, entscheidet sich auch durch die Wassernutzung während des Anbaus der Rohstoffe. Wasserressourcen sind in vielen Regionen ein knappes Gut, werden verschmutzt oder behördenseitig schlecht und ungerecht verteilt. In Andalusien haben WWF und EDEKA-Verbund ein Projekt gestartet, in dem die Produktionsbedingungen im konventionellen Zitrusfrüchteanbau umweltfreundlicher gestaltet werden. Neben den Zielen, weniger Pflanzenschutzmittel zu verwenden und die Artenvielfalt auf den Feldern zu erhöhen, steht vor allem ein besserer Umgang mit Süßwasser in der trockenen Region im Fokus.

Die am Projekt teilnehmende Finca Iberresparragal wurde nun als erster europäischer Landwirt nach den Kriterien des AWS-Standards zertifiziert. Damit hat eine unabhängige Zertifizierungsstelle bestätigt, dass die Finca Wasser sparsam einsetzt, ihre Wasserbilanz verbessert, darauf achtet, Verschmutzungen zu vermeiden und das Ökosystem schützt. So hat Iberesparragal in einem Jahr insgesamt 211.486 m³ Wasser gespart gegenüber der erlaubten Menge, also mehr als 200 Millionen Liter. Insgesamt erreichte die Finca AWS-Gold-Status – der hiermit weltweit erst zum dritten Mal vergeben wurde. AWS-Zertifizierungen gibt es als Basis-, Gold- und Platin-Version – je nachdem, wie weitgehend die Kriterien zum Süßwasserschutz erfüllt werden.

Die Finca liegt im Wassereinzugsgebiet des Flusses Guadalquivir in der Nähe von Sevilla. Dem Water Stewardship-Konzept folgend ist eine nachhaltigere Wassernutzung im Flussgebiet nur durch die Zusammenarbeit mit anderen Wassernutzern und Interessengruppen zu erreichen. Daher engagiert sich der Betrieb Iberesparragal auch über seine Betriebsgrenzen hinaus und steht mit anderen Nutzern, Behörden und Akteuren im Austausch und bewegte weitere Landwirte zur Umsetzung der AWS-Prinzipien.

Neben der Trockenheit, die aufgrund des Klimawandels zunehmen wird, sind auch eine Übernutzung und mehr als 1.000 illegale Brunnen schuld, dass die Grundwasserspiegel in der landwirtschaftlich stark genutzten Zone Andalusiens seit Jahren sinken. Hierunter leidet insbesondere die Umwelt: Der Nationalpark Coto de Doñana liegt am Ende des Flussgebiets und ist einer der wenigen verbleibenden Biodiversitäts-Hotspots in der Gegend. Der sinkende Grundwasserspiegel hat bereits deutliche Spuren im Park hinterlassen.

„Wir freuen uns, dass unsere Pilotfarm Iberesparragal sich als erster europäischer Landwirt erfolgreich AWS-zertifizieren konnte und dazu in Gold. EDEKA und Netto Marken-Discount sind die ersten Lebensmittelhändler in Deutschland, die mit dem AWS-Standard systematisch Wasserrisiken reduzieren“, sagt Rolf Lange, Leiter Unternehmens-kommunikation der EDEKA Zentrale. Johannes Schmiester, Wasserexperte von WWF Deutschland ergänzt: „Wasserrisiken werden immer mehr auch zu einem ökonomischen Problem im Lebensmittelsektor, wie die aktuelle Dürre in Kapstadt zeigt. Durch Zusammenarbeit in Flussgebieten und entlang der Lieferketten können Risiken deutlich reduziert werden. Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel hat eine hohe Verantwortung, diesen Prozess aktiv mitzugestalten.“ Adrian Sym, CEO von Alliance for Water Stewardship, unterstreicht: „Das Engagement von EDEKA für ein nachhaltigeres Wassermanagement bei ihren Lieferanten ist Vorbild für andere große Supermarktunternehmen, sich aktiver mit der Wassernutzung in Lieferregionen auseinanderzusetzen. Die erste AWS-Zertifizierung eines landwirtschaftlichen Betriebes in Europa wurde durch gute Zusammenarbeit und gegenseitiges Lernen ermöglicht und hilft AWS, bei der Umsetzung von Water Stewardship-Maßnahmen noch effektiver zu unterstützen.“

EDEKA Vorreiter bei Wassermanagement und für Wasser-Standard AWS

Der EDEKA-Verbund setzt ein gemeinsam von EDEKA und WWF entwickeltes Web-Tool (EDEKA Wasser-Tool) ein, mit dem Lieferanten weltweit in wenigen Schritten Wasserrisiken in der Rohstofferzeugung bestimmen und Nachweise über ihren verantwortungsvollen Umgang erbringen können. Bei besonders hohen Wasserrisiken arbeitet der EDEKA-Verbund als erster deutscher Lebensmittelhändler mit dem Standard AWS. In der ersten Phase kommt das Tool derzeit im Bereich Obst und Gemüse zum Einsatz, danach wird es schrittweise auf weitere Eigenmarkenbereiche ausgeweitet.

Informationen auch unter:

https://www.edeka.de/nachhaltigkeit , http://www.edeka-verbund.de/Unternehmen und http://www.wwf.de/zusammenarbeit-mit-unternehmen .

Hintergrund - Alliance for Water Stewardship (AWS)

Die Alliance for Water Stewardship Inc. (AWS) ist eine eingetragene mitgliederbasierte Nichtregierungsorganisation. Sie hat das Ziel, Water Stewardship zu fördern. Kernstück ist der 2014 veröffentlichte AWS-Standard. Er bietet ein global einheitliches Rahmenwerk: Es ermöglicht Wassernutzern, ihre Wassernutzung und Auswirkungen zu verstehen und auf dieser Basis gemeinsam und transparent für ein nachhaltigeres Wassermanagement im Kontext des Wassereinzugsgebietes zu arbeiten. Die Anwendung des Standards fördert den sozial und wirtschaftlich vorteilhaften sowie ökologisch nachhaltigen Umgang mit Süßwasser. Durch eine nachhaltige Wassernutzung werden die biologische Vielfalt und ökologische Prozesse im Wassereinzugsgebiet erhalten oder verbessert. Durch eine sozial vorteilhafte Wassernutzung werden grundlegende menschliche Bedürfnisse anerkannt und eine langfristige Nutzung für die lokale Bevölkerung gesichert.

EDEKA und WWF – strategische Partner für Nachhaltigkeit

Die im Jahr 2009 begonnene Kooperation zum Schutz der Meere und für nachhaltige Fischerei wurde 2012 zu einer umfassenderen und langfristigen Partnerschaft weiterentwickelt. Der WWF berät EDEKA wissenschaftlich fundiert in unterschiedlichen Themen- und Sortimentsbereichen. Schwerpunkte sind Fisch und Meeresfrüchte, Holz/Papier/Tissue, Palmöl/Palmkernöl, Soja/ Nachhaltigere Nutztierfütterung, Süßwasser, Klima, Verpackungen und Beschaffungsmanagement. Zielsetzung ist es, die natürlichen Ressourcen der Erde zu schonen, den ökologischen Fußabdruck von EDEKA Schritt für Schritt deutlich zu verringern und immer mehr Kunden für nachhaltigere Pro-dukte sowie nachhaltigeren Konsum zu begeistern.

WWF Deutschland

Der WWF Deutschland ist Teil der internationalen Umweltschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF). Seit über 50 Jahren arbeitet das WWF-Netzwerk rund um den Globus daran, die Umweltzerstörung zu stoppen und eine Zukunft zu gestalten, in der Mensch und Natur in Einklang miteinander leben. In mehr als 100 nationalen und internationalen Projekten setzt sich der WWF Deutschland aktuell für den Erhalt der biologischen Vielfalt ein.

Das Profil des mittelständisch und genossenschaftlich geprägten EDEKA-Verbunds basiert auf dem erfolgreichen Zusammenspiel dreier Stufen: Bundesweit verleihen rund 3.700 selbstständige Kaufleute EDEKA ein Gesicht. Sie übernehmen auf Einzelhandelsebene die Rolle des Nahversorgers, der für Lebensmittelqualität und Genuss steht. Unterstützt werden sie von sieben regionalen Großhandelsbetrieben, die täglich frische Ware in die EDEKA-Märkte liefern und darüber hinaus von Vertriebs- bis zu Expansionsthemen an ihrer Seite stehen. Die Koordination der EDEKA-Strategie erfolgt in der Hamburger EDEKA-Zentrale. Sie steuert das nationale Warengeschäft ebenso wie die erfolgreiche Kampagne „Wir ♥ Lebensmittel.“. Von hier erfolgen die Impulse zur Realisierung verbundübergreifender Ziele wie beispielsweise dem Schaffen durchgängiger IT-Strukturen oder zur Entwicklung zeitgemäßer Personalentwicklungs- und Qualifizierungskonzepte für den Einzelhandel. Mit dem Tochterunternehmen Netto Marken-Discount setzt sie darüber hinaus erfolgreiche Akzente im Discountgeschäft und rundet so das breite Leistungsspektrum des Unternehmensverbunds ab. EDEKA erzielte 2018 mit rund 11.300 Märkten und 376.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Umsatz von 53,6 Mrd. Euro. Mit rund 18.000 Auszubildenden ist EDEKA einer der führenden Ausbilder in Deutschland.